martedì 29 ottobre 2013

Gewächshäuser aus Stahl und Glas


Die ersten Gewächshäuser Englands waren  wahrscheinlich diejenigen des botanischen Gartens von Oxford und des Chelsea Physic Garden. Zwischen 1716 und 1736 wurden weitere Gewächshäuser, sogenannte “conservatories” von Philip Miller (1691-1771) und von Richard Bradley (1688-1732) projektiert. Miller war ein schottischer Botaniker der, zwischen 1721 und seinem Tode, Chefgärtner des botanischen Gartens der Apothekerzunft von Chelsea war. 1722 folgte er seinem Vaters als Superintendent des botanischen Gartens nach. Als solcher machte er aus diesem botanischen Garten eine der reichsten Sammlungen seltener und exotischer Pflanzen in Europa. Miller weigerte sich die binominale Nomenklatur Carl von Linnés (1707-1778) zu übernehmen und verwendete vorzugsweise das von Joseph Pitton de Tournefort (1656-1708) und von John Ray (1627-1705) vorgeschlagene Klassifikationssystem. Erst 1768, in der achten Ausgabe seines Dictionnaire, übernahm er schliesslich das linnéische System.

Richard Bradley war ein englischer Botaniker und Schriftsteller, der, zwischen 1716 und 1730, mehr als zwanzig Bücher über Gärtnerei und Landwirtschaft geschrieben hat. Er war Mitglied der Royal Society und wurde 1724 als Professor für Botanik an die Universität Cambridge berufen. Dort erwies er sich jedoch als ungeeignet weil er keine Fremdsprachen sprach. Trotzdem erlebten seine Werke mehrere Neudrucke.

Hundert Jahre später projektierte der Architekt John Nash (1752-1835) vier Gewächshäuser für den Buckingham Palace, die allerdings abgerissen wurden als König William IV den Palast umbauen liess. Eines der Gewächshäuser wurde jedoch 1836 durch den Architekt Edward Blore (1787-1879) in den Kew Gardens wieder aufgebaut und gilt heute als das älteste aus jener Zeit erhaltene Gewächshaus.

Im 19. Jahrhundert erhielt die Gewächshausarchitektur neue Impulse durch die industrielle Entwicklung. Die Eisenhütten begannen Gusseisen und Stahl in grossen Mengen herzustellen und die Glashütten lieferten nun Flachglas zu erschwinglichen Preisen. Stahl und Glas wurden sofort die bevorzugten Baumaterialien von Architekten und Ingenieuren, denn sie erlaubten die Realisierung grosser, luftiger Volumen innerhalb von schlanken, transparenten Strukturen. Das war ein vollkommener Gegensatz zu dem schweren, massiven Mauerwerk, das bisher die tragenden Teile der Bauwerke bildete. Der Gebrauch der neuen Materialien führte zwangsläufig zu einer neue Ästhetik.

Die ersten, vollkommen aus Stahl und Glas errichteten Bauten waren deshalb reine Zweckbauten, Gewächshäuser, die auch Pflanzen von aussergewöhnlicher Grösse, zum Beispiel Palmen, aufnehmen konnten. Sie mussten nicht dem klassizistischen und historisierenden Geschmack der damaligen Zeit entsprechen. In England wurden diese Gewächshäuser “conservatories”, “glass houses” oder “palm houses” genannt, um sie von den alten Orangeriebauten aus Mauerwerk und Holz zu unterscheiden (1)
 
Die Gewächshäuser von John Claudius Loudon
 
Das Konzept der neuen Gewächshäuser basiert auf den Studien von John Claudius Loudon (1783-1843), der nach einer energieeffizienten Form seiner Gewächshäuser suchte. Loudon war der Sohn eines wohlhabenden schottischen Landwirts. Schon in seiner Jugend hatte er hervorragende praktische Erfahrungen erworben; danach hatte er an der Universität von Edinburgh Chemie, Botanik und Landwirtschaft studiert. Nachdem er halb Europa bereist hatte, begann  er in den Jahren 1813-14 sich der Verbesserung von Gewächshäusern und landwirtschaftlicher Anbaumethoden zu widmen. Er entwickelte ein System von miteinander verbundenen Elementen, die entsprechend dem Einfallswinkel der Sonnenstrahlen geneigt waren.
 
Das Palmhaus in den Bicton Gardens, East Budleigh, Devon
 
 
 
Über die Form, die ein gläsernes Gewächshaus haben sollte, um die grösstmögliche Menge an Sonne zu erhalten“, war der programmatische Titel eines seiner 1815 gehaltenen Vorträge, in dem er den Zweck seiner Forschungen umriss. Das Ergebnis dieser Forschungen war ein kuppelförmiges Gewächshaus mit einer Oberfläche, die zu jeder Jahres- und Tageszeit einen optimalen Einfall des Sonnenlichtes garantierte, d.h. das Sonnenlicht traf immer senkrecht auf eine der zahlreichen Glasflächen des Gewächshauses. Verschiedene Quellen nennen zusammen mit Loudon auch George Mackenzie mit dem Loudon 1815 einen Artikel zum Thema veröffentlichte (2).
Auf seinem Besitz in Bayswater baute Loudon längs einer Mauer mehrere Gewächshäuser verschiedener Grösse und Form, wobei er 13 verschiedene Metallprofile und Glasscheiben verschiedener Grösse verwendete. Eine der Ideen Loudons war, die Metallprofile und die Glasscheiben in der gleichen Ebene anzuordnen, um auf diese Weise den Schattenwurf der Profile zu reduzieren. Loudon experimentierte auch mit der Lüftung von Gewächshäusern, in dem er regulierbare Öffnungen in deren Dächern einbaute. Ein System von Dampf- und Warmwasserheizung, das damals gerade erfunden worden war, erlaubte es zudem, im Innern der Gewächshäuser eine jeweils für die Pflanzen optimale Temperatur zu schaffen.
Loudon entwickelte auch Projekte für Industriearbeiterwohnungen und solare Heizungssysteme. In London liess er sich als Stadtplaner nieder. Viele Jahrzehnte früher als  Frederick Law Olmstedt (3) und andere Planer fing er an, Visionen zur Begrünung Londons zu erarbeiten. Diese Arbeiten sind in der Schrift Hints for Breathing Places for Metropolis enthalten, die er 1829 veröffentlichte. Er sah ein geordnetes, durch die Anlage von Grüngürteln (greenbelts) gelenktes Wachstum der Metropole vor. Die Grüngürtel und Parks galten ihm als luftreinigende Lungen der Grossstadt.
 
Anmerkungen
(1) Eine kurze Geschichte der Gewächshäuser aus Stahl und Glas befindet sich in: Sue Minter, The Greatest Glass House, London 1990
(2) Mackenzie, George: On the Form Which the Glass of a Forcing-House Ought to Have, in Order to Receive the Greatest Possible Quantity of Rays from the Sun; in: Transactions of the Horticultural Society of London 1817, p. 171 seg.
(3) Frederick Law Olmstedt (1822-1903), berühmter amerikanischer Landschaftsarchitekt, bekannt als Vater der amerikanischen Landschaftsarchitektur, Architekt der Chicago World Exposition von 1893
 
 
 

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