martedì 29 ottobre 2013

Der Crystal Palace von Joseph Paxton


Gegen die Mitte des 19. Jahrhundert dachte man in London daran, eine “Grosse Weltausstellung” zu organisieren. Im Hinblick auf diesen Anlass schrieb man 1850 einen Architekturwettbewerb aus. Es wurden 240 Entwürfe eingereicht. Unter diesen gab es zwei, deren Autoren den Gebrauch vorfabrizierter Stahl- und Glaselemente vorschlugen. Das eine Projekt stammte von dem Franzosen Hector Horeau, das zweite von dem Iren Richard Turner. Das Organisationskomitee hielt sämtliche Entwürfe für unrealisierbar und beschloss deshalb ein einfaches Projekt auszufuhren, welchen andere Architekten dann vervollständigen sollten. Dieses einfach auszuführendes Projekt stammte von Joseph Paxton, der viel Erfahrung mit dem Bau von Gewächshäusern mit vorgefertigten, standardisierten Elementen aus Glas und Stahl hatte. Paxton zeigte dem Komitee eine Skizze seines Projektes, die er auf einem Stück Löschpapier gemacht hatte. Das ausgearbeitete Projekt übergab er neun Tage später.

 
Der Crystal Palace der Londoner Weltausstellung von 1851

Paxton war Chefgärtner in Chatsworth in Derbyshire gewesen, wo er die Freundschaft des Eigentümers erworben hatte. In Chatsworth hatte er Versuche mit dem Bau von grossen Gewächshäusern aus Stahl- und Glaselementen gemacht  und war von der Haltbarkeit dieser Bauwerke und der Einfachheit ihres Unterhalts beeindruckt. Der von ihm vorgeschlagene Ausstellungspalast war die Frucht dieser langjährigen Erfahrungen. In der Encyclopaedia Britannica (2004) liest man, dass Paxton sich bei seinem Entwurf teilweise von der organischen Form der Amazonas-Lilie inspirieren liess, welche die Königin Victoria mit viel Erfolg gezogen hatte. Bei seinen Entwurfsarbeiten für den Crystal Palace wurde Paxton von den Ingenieur William Cubitt unterstützt.

 
 
Der Crystal Palace von Nordosten gesehen
(aus Dickinson's Comprehensive Pictures of the Great Exhibition of 1851, published 1854).
 
Der Paxton‘sche Ausstellungspalast war eine gigantische, 560 Meter lange und 33 Meter hohe Konstruktion aus Gusseisen, Stahl und Glas und bestand aus 293.655 Glassscheiben, 330 schweren Gusseisenpfeilern und 38 Kilometern Stahlprofil. Das Ganze wurde von 5000 Arbeitern montiert, die viele Stunden für einen Minimallohn arbeiteten mussten. Die ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse erregten das Mitleid von Catherine Marsh (1818-1912), einer englischen Predigerin und Sozialreformerin, die sich unermüdlich dafür einsetzte, dass die Arbeiter eine gerechte Behandlung erfuhren; sie verschaffte ihnen auch eine richtige Mahlzeit am Tag.

 
Der Crystal Palace der Londoner Weltausstellung von 1851

Das Metallskelett des Ausstellungspalastes wurde von der Firma Fox & Henderson hergestellt; die 84.000 Quadratmeter Flachglas lieferte die Glashütte der Brüder Chance in Smetthwick. Diese Firma war die einzige, die einen so grossen Auftrag bewältigen konnte, aber selbst sie musste Arbeiter aus Frankreich einstellen um das Glas fristgerecht liefern zu können.

Die grosse Weltausstellung fand 1851 in Londons Hydepark statt. Mehr als 14.000 Aussteller aus aller Welt waren in der riesigen Halle mit ihren Ständen vertreten. Den Namen „Crystal Palace“ erhielt die Halle von der satirischen Zeitschrift Punch. Joseph Paxton wurde aufgrund seiner Leistung geadelt und erhielt den Titel Sir.

Der Crystal Palace in einer zeitgenössischen Darstellung
Nach der Ausstellung wurde die Halle abgebrochen und nach Upper Norwood gebracht, erweitert und stand dort zwischen bis 1936. In jenem Jahr brach ein immenser Brand aus, der die Halle völlig zerstörte. Die Flammen waren über viele Kilometer hinweg zu sehen. Leider war das Gebäude unzureichend versichert. Die Versicherungssumme erlaubte es nicht, die Halle wieder aufzubauen. „Das ist das Ende einer Epoche“, kommentierte Winston Churchill das Unglück.

Die riesige Halle der Londoner Weltausstellung wurde das Vorbild aller Ausstellungshallen, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut wurden.

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