venerdì 25 ottobre 2013

Ein Schloss und ein Weinberg


Das Schloss “Sans-Souci” Friedrichs II von Preussen in Potsdam

Am Anfang des 18. Jahrhunderts gab es in Potsdam, auf einem Grundstück im Besitz der Könige von Preussen,  einen kahlen Hügel, auf dem einmal alte Eichen gestanden hatten, die jedoch gefällt worden waren, um im dortigen sumpfigen Gelände Befestigungsanlagen zu bauen. Im Sommer 1744 befahl Friedrich II die Südseite des „kahlen Hügels“ zu terrassieren und dort einen Weinberg anzulegen. Weinbau war in der Mark Brandenburg seit dem 13. Jahrhundert ziemlich verbreitet.

 
Das Schloss Sans-Souci bei Potsdam - Südansicht

Auf dem Südhang des Hügels wurden also sechs breite, leicht geschwungene Terrassen angelegt, die von hohen Mauern, sogenannten Talot-Mauern, gestützt wurden. Auf den Mauern waren Spaliere angebracht, an denen man die aus Portugal, Italien und Frankreich importierten Reben zog. In den Stützmauern befanden sich 168 Nischen, die sich durch Glasfenster schliessen liessen und in denen Feigenbäume wuchsen. Am talseitigen Rande der Terrassen standen Taxuspyramiden und zwischen diesen Spalierobstbäume. Eine breite Freitreppe mit 120 Stufen führte in der Mittelachse der Anlage hinunter in die Ebene (a parterre), wo 1745 ein Barockgarten mit einem grossen Becken und einem Springbrunnen angelegt wurde. Zu beiden Seiten des Weinbergs befanden sich befahrbare Rampen für die Gärtner.

Unweit des neuen Weinbergs lag ein Garten, der die königliche Küche mit das Obst und Gemüse versorgte. Dieser Garten blieb erhalten weil Friedrich frisches Obst liebte und der Meinung war, das künstliche Gestaltung und Natur zusammengehen müssten. Die Harmonie zwischen Mensch und Natur spiegelt sich auch in der Architektur des Schlösschens wider, das sich der König oben auf dem terrassierten Hügel bauen liess, sobald der Weinberg fertig war.

Im Januar 1745 befahl Friedrich den Bau eines eingeschossigen Lustschlösschens, einer „maison de plaisance“ oberhalb des Weinbergs. Der König selbst machte ein Skizze des Baues und beauftragte mit der Projektierung den Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. Der Bau Schlösschens erfolgte in den Jahren 1745-1747. Die gesamte Anlage erhielt den Namen „Sans souci“, ohne Sorge.

 
Projekt des Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff von 1744-45: Aussenansichten und Grundriss.
Legende: 1 Vestibül, 2 Marmorsaal, 3 Empfangszimmer, 4 Konzertzimmer, 5 königliches Studier- und Schlafzimmer, 6 Bibliothek, 7 Galerie, 8 Gästezimmer, 9 Gästezimmer, 10 Gästezimmer, 11 „Voltaire-Zimmer", 12 "Rothenburg-Zimmer", 13 Bedienstetenräume.

Den Vorschlag des Architekten, das Schlösschen erhöht auf einem Untergeschoss zu errichten, wies Friedrich zurück, weil er die Salons auf der gleichen Ebene wie die davorliegende Terrasse haben wollte. Deshalb waren die Fussböden immer kalt und die Räume liessen sich sehr schlecht heizen.

Die Architektur des Schlösschens entspricht dem französischen Konzept des „appartement double“, das seinerzeit als das Maximum an Komfort  angesehen wurde, den ein Gebäude bieten konnte. Ein doppeltes Appartement besteht aus zwei miteinander verbundenen Räumen: einem Salon und einem dahinterliegenden Serviceraum. Im Falle von „Sans souci“ ergab das Konzept eine Doppelreihe von Räumen: auf der Südseite lagen die Salons mit der davorliegen Terrasse und die Nebenräumen auf der Nordseite. Die Salons waren miteinander durch grosse Doppeltüren verbunden, die in der Raumachse lagen, waren also „enfilade“ angeordnet, so dass die Raumfolge klar erkennbar wurde.

Das Schloss besteht aus einem Mitteltrakt mit einen Vestibül auf der Nordseite und einem grossen, hohen Saal, dem Marmorsaal, auf der Südseite. An den Mitteltrakt schliessen sich auf beiden Seiten Flügel mit je fünf Appartements an. Der Westflügel beherbergt Gästeappartements, im Ostflügel liegen ein Empfangszimmer, ein Konzertzimmer, ein Studio, das zugleich das Schlafzimmer des Königs war, und daran anschliessend eine Bibliothek; alle Zimmer und Salons haben Nebenräume auf der Nordseite.   

 
Der Mitteltrakt des Schlösschens “Sans-souci“ mit dem grossen Marmorsaal.
 
Für einen König der damaligen Zeit war ein Schloss mit nur zwölf Zimmern, von denen nur fünf von seiner Majestät bewohnt wurden, äusserst bescheiden. Die fürstlichen Residenzen, die ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstanden, orientierten sich an der Architektur des Versailler Schlosses und sollten die politische und wirtschaftliche Macht ihrer adligen Eigentümer sichtbar verkünden.

Diese Schlösser waren in der Regel viel zu gross und weitläufig, um von der fürstlichen Familie und dem Hofe bewohnt zu werden. Folglich waren sie als Wohnungen recht unbequem. Nach diesem anfänglichen Luxus setzte im 18. Jahrhundert eine Gegenbewegung ein und auch die reichen, adligen Familien wünschten sich bequemere und gemütlichere Wohnungen. Das Schloss „Sans-Souci“ ist ein Beispiel dafür.

In Sans-Souci konnte Friedlich II von Peussen die Sommermonate „ohne Sorge“ verbringen und inmitten der Natur seinen künstlerischen und geistigen Interessen nachgehen, ohne seine institutionellen Verpflichtung zu vernachlässigen. Eine Windmühle, die schon 1736 in der Nähe des „kahlen Hügels“ lag, liess die ländliche Umgebung des Schlösschens noch idyllischer erscheinen.

 
Der Park von Sans-Souci um 1900
 
Das Schloss wurde zwei Jahre nach Baubeginn am 1. Mai 1747 eingeweiht, obwohl noch nicht alle Räume fertig waren. Mit Ausnahme von Kriegszeiten verbrachte Friedrich regelmässig die Zeit zwischen Ende April und Anfang Oktober in Sans-Souci.

In Sans-Souci konnte der musikalisch begabte König – er spielte Querflöte – sich seiner Liebe zur Musik hingeben und mit Freunden Konzerte geben. Er regierte sein Land  mit grosser Disziplin und führte ein für einen König sehr bescheidenes Leben. Im Alter wurde aus seiner Bescheidenheit Geiz und er widersetzte sich mit Entschiedenheit gegen alle notwenigen Unterhaltsarbeiten an seinem Schlösschen denn: „Es muss ja nur bis zu meinem Tode halten“.  

Er starb in Sans-Souci, in seinem Lehnstuhl sitzend, am 17. August 1786. Er wäre gern zusammen mit seinen geliebten Hunden begraben worden.  Aber sein Nachfolger Friedrich Wilhelm II wollte es anders. Im Gegensatz zum letzten Willen Friedrichs, lies er ihn in der Potsdamer Garnisonskirche bestatten. Erst 1945, nach zahlreichen Wechselfällen wurden seine Reste schliesslich im Park von Sans-Souci beerdigt.

Literatur

 

·          Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Schloss Sanssouci. 18. Auflage. Druck- und Verlagsgesellschaft Rudolf Otto mbH, Berlin 1996

·          Generaldirektion der Stiftung Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci (Hrsg.): Potsdamer Schlösser und Gärten. Bau- und Gartenkunst vom 17. bis 20. Jahrhundert. UNZE VG mbH, Potsdam 1993

·          Götz Eckardt: Schloss Sanssouci, Generaldirektion der Stiftung Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci (Hrsg.), 1985

·          Gert Streidt, Klaus Frahm: Potsdam. Könemann VG mbH, Köln

·          Gert Streidt, Peter Feierabend (Hrsg.): Preußen Kunst und Architektur. Könemann VG mbH, Köln 1999

·          Giersberg, Hans-Joachim, Hillert Ibbeken: Schloss Sanssouci. Die Sommerresidenz Friedrichs des Großen. Mit Beiträgen von Thomas Blisniewski, Tilo Eggeling, Jürgen Hamel u.a., Berlin 2005

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