sabato 31 agosto 2013

Warmtrockenes Klima - Das traditionelle arabische Haus


Das traditionelle arabische Haus stammt direkt von dem im Laufe des 4. Jahrtausends v.u.Z. in Mesopotamien entwickelten Haustyp ab. Leider wird es immer schwieriger ein original arabisches Haus zu sehen. Als in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts John Warren und Ihsan Fethi ihr Buch Traditional Houses in Baghdad (1) veröffentlichten, war in dieser Stadt sehr wenig von der traditionellen Architektur übriggeblieben und dieser Rest war in äusserst schlechtem Zustand.

Dieser schlechte Zustand ist einerseits der arabischen Gewohnheit zuzuschreiben, alte Häuser einfach verfallen zu lassen und, wenn sie nicht mehr bewohnbar sind, durch neue zu ersetzen. Regelmässiger Unterhalt ist weitgehend unbekannt. Man folgt dem alten arabischen Sprichwort: „Benutze es bis es zusammenfällt und baue dir dann ein neues“. Der zweite Grund ist folgender: traditionelle Häuser gelten als obsolet und jeder möchte ein „modernes“ Haus haben, das heisst eins aus Beton und Hohlblöcken.

Wenig dauerhaft sind und waren vor allem die traditionellen Lehmziegelhäuser auf dem Land, die sogenannten Tarma-Häuser, weil ihr zurückspringender, überdeckter  Eingang (tarma) Pfeiler oder Säulen hatte. Diese einfachen Häuser besitzen nur wenige, ärmliche Zimmer, deren bestes der liwan (o iwan) ist, der direkt hinter dem Eingang liegt. Diese ländlichen Häuser befinden sich normalerweise in der Mitte eines ummauerten Grundstücks und sind streng in zwei Teile geteilt: einen für die Männer (diwankhane) und einen für die Frauen (haram).

 
Ansicht eines Tarma-Hauses

Sehr verschieden von diesen einfachen Tarma-Häusern, sind die Häuser in der Stadt. Diese ähneln weitgehend dem altmesopotamischen Vorbild aus sumerischer Zeit. Die einzelnen Zimmer gruppieren sich um einen teilweise überdeckten  und mit einem Brunnen ausgestatteten Innenhof. Sehr schöne Beispiele solcher Häuser kann man noch heute in Andalusien und in Marokko sehen.

Das Stadthaus einer besser gestellten Familie hatte zwei Stockwerke und war unterteilt in einen halböffentlichen Bereich mit einem Raum für die Männer, in dem man auch Besucher empfing, und einen den Frauen vorbehaltenen Bereich (harem). Ein typisches Element des traditionellen irakischen Stadthauses war ein Erkerfenster (shenashil) im Obergeschoss, von welchem aus man die Strasse beobachten konnte ohne selbst gesehen zu werden. Dieses Erkerfenster hatte auch eine klimatechnische Funktion. Das dunkelgestrichene Holz erhitzte sich unter der Sonne, liess die Luft aufsteigen und dieser Luftzug zog die warme Luft aus dem Innern heraus, während kühlere Luft aus dem Erdgeschoss nachströmte.

Shenashil

Die traditionelle Klimatisierung mit badgir und sirdab.

Mit dem Niedergang der traditionellen arabischen Hausarchitektur verschwinden auch die speziellen klimatechnischen Einrichtungen dieser Bauweise, insbesondere die Ausnutzung des Nordostwindes zur Raumkühlung während der Nacht. Dieser Wind weht praktisch den ganzen Sommer hindurch und kann deshalb zur natürlichen Kühlung der Gebäude genutzt werden.

Die bauliche Vorkehrung, welche den Wind zur nächtlichen Kühlung ausnutzt heisst badghir-sirdab und war eine billige und ökologische Art um in den Häusern ein erträgliches Klima zu schaffen, ein nicht ganz leichtes Unterfangen in einer Gegend in der die Temperaturen im Sommer über 50°C steigen können.

Der badghir (engl. wind-catcher) ist ein turmartiges Bauelement, das den kühlen Nachtwind einfängt und ihn in eine unterirdische Kammer leitet von der aus die kühle Luft in die Wohnräume gelangt. Es gibt auch noch ein anderes System, das den Wind nicht in eine unterirdische Kammer presst, sondern die warme Luft aus den Wohnräumen herauszieht, so dass die kühle Luft aus dem Untergeschoss nachströmen kann. Auf diese Art der nächtlichen Kühlung werden wir im nächsten Abschnitt noch ausführlicher eingehen.

Die untenstehende Abbildung zeigt die erstaunlichen Temperaturunterschiede (von 30°C bis 50°C), die sich in einem traditionellen irakischen Haus mit dem einfachen Mittel der Nachtlüftung erzielen lassen. Ein Temperaturunterschied von als 20°C wird im heissen Klima des Irak als angenehm empfunden. Ein grösserer Unterschied gilt als der Gesundheit abträglich. In einem traditionellen Haus hält man sich  am Tag in anderen Räumen auf als in der Nacht, sowohl im Sommer als auch im Winter. Im Winter benutzt man hauptsächlich geschlossene Räume, im Sommer die schattigen, nach Norden zu geöffneten, das Untergeschoss und das Dach, auf dem man schläft und die kühle Nachtluft geniesst.

Temperaturdifferenzen zwischen einzelnen Geschossen eines traditionellen irakischen Hauses.

Im Irak regnet es selten, wenn es jedoch einmal regnet, meistens sehr heftig und wolkenbruchartig, weswegen man entsprechende bauliche Vorkehrungen treffen muss. Die wichtigste ist, das Wasser von den aus Lehmziegeln gebauten Häusern so abzuleiten, damit sich in den bodennahen Mauern keine dauerfeuchten Stellen bilden können.

In den öffentlichen Räumen, zum Beispiel auf den Märkten (suq), versucht man so weit wie möglich die direkte Sonne durch Segel und Tücher auszuschliessen.

Anmerkungen

(1) Warren, John & Ihsan Fethi: Traditional Houses in Baghdad, Coach Publishing House L., Horsham, England. 1982

 

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