lunedì 26 agosto 2013

Die ersten festen Siedlungen - Çatal Hüyük


Die ersten festen menschlichen Siedlungen von denen wir Kenntnis haben, entstanden vor etwa 12.000 Jahren in Anatolien. Sie entstanden als die Völker dieser Region begannen essbare Pflanzen anzubauen und Klein- und Grossvieh zu züchten. Landwirtschaft und Viehzucht begannen zu jener Zeit schrittweise die nomadisierende Jagd und das Sammeln von Wildpflanzen und -früchten zu ersetzen. Jagd und Sammeltätigkeit blieben jedoch auch weiterhin ein wichtige Quelle des Nahrungserwerbs. Die neu erworbene Sesshaftigkeit führte zum Bau von ständigen Wohnungen und dauerhaften Siedlungen. Schon vorher hatten anatolische Völker Steinbauten errichtet, in der Regel Heiligtümer wie sie in Göbekli Tepe e a Nevalı Çori zum Vorschein gekommen sind und die auf das 11. Jahrtausend u.Z. datiert werden.

Das Klima Anatoliens ist kontinental. Die Sommer sind heiss und trocken, die Winter streng und schneereich. Im Ostteil des Landes können die Temperaturen im Winter bis auf unter -30°C absinken.

Çatal Hüyük 

Eine der ältesten festen Siedlungen im südöstlichen Teil Anatoliens ist Çatal Hüyük. Der Ort liegt auf einer weiten Schwemmebene des Çarşamba-Flusses. Wasser gab es also genügend, ein wichtiger Faktor auf der damals relativ trockenen Konya-Hochebene. Aus diesem Grund bot die Gegend ein breites Spektrum von essbaren Pflanzen und jagdbaren Tieren, was auch wahrscheinlich der Grund für die Anlage einer Siedlung von bisher unbekannter Grösse war.

Häusergruppe von Çatal Hüyük

Çatal Hüyük wurde in den 50er Jahren vom britischen Archäologen James Mellaart (1) entdeckt, der zwischen 1961 und 1965 verschiedene Ausgrabungen unternahm und die Reste von mehr als 160 Häusern freilegte. 1993 wurden die Ausgrabungen im Rahmen eines internationalen Forschungsprojektes unter der Leitung von Ian Hodder von der Universität von Cambridge und der Stanford University (2) wieder aufgenommen. Weitere Ausgrabungen erfolgten durch die Archäologen der Universität von Posen (Polen).

Zur Zeit Mellaarts dachte man, man hätte mit Çatal Hüyük die älteste feste Ansiedlung der Welt entdeckt. In der Zwischenzeit sind jedoch die Reste weiterer neolithischer Siedlungen hinzugekommen die noch älter als Çatal Hüyük sind. Çatal Hüyük ist jedoch die bekannteste Siedlung und zwar wegen der in dort gefundenen Wandbemalungen und Relieffiguren, von denen mehrere Tiere und Frauenkörper darstellen.
 
Rekonstruktion des Inneren eines Hauses von Çatal Hüyük
 
Die Geschichte von Çatal Hüyük (çatal = Gabel; hüyük = Hügel) beginnt als die Keramik noch nicht erfunden war. Den Kohlenstoff-14-Untersuchungen nach war Çatal Hüyük zwischen etwa 7400 und 6200 u.Z. bewohnt, in einer Periode, die vom Neolithikum bis in die Kupferzeit (Chalkolithikum) reicht.

Der Ort lag auf zwei Hügeln und wurde von einem dichten Gewirr von Häusern gebildet. Die Häuser haben rechteckigen Grundriss und Lehmmauern, teils aus Stampflehm, teils aus Lehmziegeln. Höhenunterschiede zwischen den einzelnen Häusern und Räumen erlaubten eine ausreichende Belichtung und Belüftung. Zu den einzelnen Häusern führten keine Wege; in die Wohnungen gelangte man über die Dächer.
 
Die Häuser von Çatal Hüyük hatten Flachdächer, die mit einer Einstiegsluke versehen waren durch die man über eine Leiter ins Innere gelangte. Die Leiter befand sich häufig an der Südwand des Hauses, wo sich auch die Feuerstelle befand, so dass der Rauch durch die Einstiegsluke abziehen konnte. Die zahlreichen Schichten des Wandanstrichs lassen daran denken, dass die Wände ständig vom Rauch geschwärzt wurden und deshalb oft einen neuen sauberen Anstrich brauchten.
Die Rekonstruktion eines Hauses hat gezeigt, dass das Licht, welches durch die Einstiegsluke ins Innere fiel, ausreichte um den Raum am  Tage zu belichten, vor allem wenn die Wände frisch getüncht waren. Diese Wände waren teilweise auch kunstreich bemalt mit Figuren aller Art. Eine dieser Malereien ist von Mellaart als „Stadtplan“ interpretiert worden. Es gibt jedoch auch andere Interpretationen.
 
Der “Dorfplan” von Çatal Hüyük
 
 
Der Boden der Häuser lag auf verschiedenen Ebenen. Einige erhöhte Teile davon waren mit Schilfmatten belegt und dienten zum Schlafen. An der Nordseite der Häuser befand sich häufig ein kleiner Raum zum Aufbewahren von Vorräten. Die Häuser dienten wohl hauptsächlich zum Schlafen, denn das Leben der Menschen spielte sich weitgehend im Freien und auf den Dächern ab.
In Mittelanatolien wurden noch weitere neolithische Siedlungen dieses Typs gefunden, darunter Aşıklı und Can Hasan. Die Forschungen haben gezeigt, dass es in den einzelnen Hausgruppen doch Freiflächen gab. Man schätzt, dass Çatal Hüyük nicht mehr als 2500 Einwohner hatte. Frühere Schätzungen waren bis zu 10.000 Einwohnern gegangen. Die Enge der Hausgruppen und Abfall auf den Freiflächen dürften mit Sicherheit ernste Hygieneprobleme hervorgerufen haben.
Dank seines Alters, seiner Grösse, seiner Architektur und seiner Wandmalereien ist Çatal Hüyük  in der ganzen Welt bekannt geworden und wird gern als ein Meilenstein der prähistorischen Archäologie bezeichnet. Es als „erste Stadt der Menschheit“ zu bezeichnen, wie es oft geschieht, ist jedoch stark übertrieben. Çatal Hüyük ist eine dörfliche Siedlung, die über viele Jahrhunderte bewohnt war.
Zweifellos war das Ziel seiner Erbauer und Bewohner nicht möglichst viel Sonne und Licht in die Wohnungen zu bringen. Warum auch? Das Leben spielte sich hauptsächlich im Freien ab. Möglicherweise war es das Sicherheitsbedürfnis, welches zu der geschlossenen Bauform der Siedlung geführt hat, die wir heute dank der Ausgrabungen kennen. Man kann auch Fragen, welche Rolle das Klima bei der Entwicklung dieser Bauform gespielt hat. Die Wahl von Flachdächern mit einem Belag aus Lehmestrich weist auf eine geringe Niederschlagsmenge hin.
Anmerkungen
 
(1) Mellaart, James: Catal Huyuk: A Neolithic Town in Anatolia. McGraw-Hill, (1967).
(2) On the Surface: Çatalhöyük 1993–95, edited by Ian Hodder. Cambridge: McDonald Institute for Archaeological Research and British Institute of Archaeology at Ankara, 1996
 
 
 
 
 
 

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